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Rund 2.000 Physician Assistants (PAs) sind derzeit in deutschen Kliniken und Praxen tätig, mehr als 90 Prozent von ihnen im Krankenhaus. Bis 2028 könnte sich diese Zahl laut Handelsblatt auf rund 5.000 mehr als verdoppeln. Was zunächst nach einer Randnotiz im Gesundheitswesen klingt, markiert tatsächlich einen strukturellen Umbruch: Ein neues akademisches Berufsbild etabliert sich zwischen Pflege und ärztlichem Dienst, mit spürbaren Folgen für Klinikorganisation, Aufgabenverteilung und Personalplanung.
Physician Assistance gibt es in Deutschland seit 2005, seit 2021 auch als Masterstudiengang. Wer PA werden möchte, bringt in der Regel bereits eine medizinische Vorqualifikation mit, wie etwa als medizinische Fachangestellte, Gesundheits- und Krankenpflegerin oder MTA, und absolviert anschließend ein sechs- bis acht-semestriges Studium. Aktuell bieten 26 Hochschulen entsprechende Studiengänge an, die Zahl der Absolventinnen und Absolventen hat sich seit 2019 verdreifacht.
Damit ist der PA kein Nischenphänomen mehr, sondern ein Berufsbild mit eigener Dynamik und einer klaren Funktion: PAs übernehmen delegierbare ärztliche Aufgaben, von der Anamnese über Wunddokumentation bis zur Assistenz im OP, und entlasten damit ärztliches Personal von Routinetätigkeiten.

Die entscheidende Frage für Kliniken lautet nicht, ob PAs Ärztinnen und Ärzte ersetzen, sondern wie sich Aufgaben sinnvoll verteilen lassen. Das Modell basiert auf einer klaren Rollentrennung: PAs übernehmen weniger komplexe Fälle und vorbereitende Tätigkeiten, während Diagnose und Therapieentscheidung ärztlich verantwortet bleiben. Die Bundesärztekammer hat diese Position im Frühjahr 2025 in einem eigenen Papier bekräftigt und PAs als integralen, aber unterstützenden Bestandteil der Versorgung eingeordnet. Diese Klarstellung ist wichtig, weil sie zeigt: Der Ausbau der PA-Stellen ist als Antwort auf den Fachkräftemangel gedacht, nicht als Konkurrenzmodell. Angesichts eines Versorgungsengpasses, der laut Prognosen bis 2035 auf einen erheblichen Anteil unbesetzter Stellen im ärztlichen Bereich zusteuert, ist diese Entlastungsfunktion für viele Kliniken kein Nice-to-have mehr, sondern Teil der Personalstrategie.
Wie groß dieser Effekt tatsächlich ausfallen kann, zeigt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung mit einem ebenso klaren wie beeindruckenden Ergebnis: Werden Physician Assistants und vergleichbare weitergebildete Praxisassistenzberufe unter ärztlicher Supervision eingesetzt, können Hausärztinnen und Hausärzte im Schnitt rund 65 Prozent ihres bisherigen Zeitvolumens einsparen. Bemerkenswert ist dabei, dass drei methodisch unterschiedliche Berechnungswege – die Analyse der Versorgungslast, eine EBM-basierte Entlastungsrechnung und eine interne Tätigkeitsanalyse – zu übereinstimmenden Ergebnissen kommen.
Konkret rechnet sich das so: Pro eingesetzter Delegationskraft, ob PA oder NäPA, entsteht eine Entlastung von 0,58 bis 0,69 ärztlichen Vollzeitstellen. Eine Hausarztpraxis mit drei Vollzeitärzten, die zusätzlich einen PA und 1,5 NäPAs einstellt, gewinnt so rechnerisch 1,6 Arzt-Vollzeitäquivalente an Kapazität hinzu und könnte damit zusätzlich zu den bisherigen 3.000 Patientinnen und Patienten rund 1.600 weitere Menschen versorgen. Vor allem wiederkehrende, aber anspruchsvolle Aufgaben lassen sich auf diese Weise an qualifizierte Fachkräfte abgeben, ohne dass die ärztliche Letztverantwortung dabei aufgegeben wird.
Mit wachsenden PA-Teams verändert sich zwangsläufig auch die interne Organisation:
Aufgabenprofile werden neu geschnitten
Stationsabläufe und Verantwortlichkeiten müssen so gestaltet werden, dass PAs wirksam entlasten, statt zusätzliche Abstimmungsschleifen zu erzeugen. Wie das konkret aussehen kann, zeigt das Versorgungskonzept "Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung Interprofessionell" (HÄPPI): Nicht jede Routinekontrolle muss zwingend ärztlich erfolgen. Auch entsprechend weitergebildeter Fachkräfte können sie übernehmen, solange die Versorgung organisatorisch klar unter ärztlicher Verantwortung gebündelt bleibt.
Führungs- und Einarbeitungsstrukturen entstehen neu
Wer leitet PA-Teams fachlich an, wie sieht die Zusammenarbeit mit dem ärztlichen Dienst konkret aus? Diese Fragen sind längst nicht überall geklärt und werden aktuell auch wissenschaftlich begleitet: Ein Modellprojekt der Universitätsklinik Essen untersucht seit 2025 den PA-Einsatz in 24 Hausarztpraxen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein, verglichen mit 51 Kontrollpraxen. Bis 2027 werden dabei unter anderem Notaufnahmeraten, Patientenzahlen, Patientenzufriedenheit und die Auswirkungen auf die Wochenarbeitszeit der Hausärzte ausgewertet. Diese Ergebnisse dürften auch für die Ausgestaltung von Führungs- und Kooperationsmodellen im Klinikkontext wertvolle Hinweise liefern.
Karrierepfade müssen definiert werden
Mit dem Masterstudiengang seit 2021 zeichnen sich auch für PAs zunehmend Spezialisierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten ab, etwa in der Notfallmedizin oder ambulanten Versorgung. Kliniken, die diese Strukturfragen frühzeitig klären, verschaffen sich einen Vorteil, sowohl bei der Versorgungsqualität als auch bei der Bindung von ärztlichem und nichtärztlichem Personal.
Für die Personalgewinnung im Krankenhaus bedeutet der PA-Ausbau eine zusätzliche Aufgabe: Es entsteht ein eigenständiges Stellensegment, das bislang in vielen Recruiting-Strategien kaum abgebildet ist. Wer PA-Positionen erfolgreich besetzen will, muss dieses noch junge Berufsbild zunächst überhaupt sichtbar machen: gegenüber Bewerberinnen und Bewerbern ebenso wie innerhalb der eigenen Klinikstrukturen.
Genau hier setzt eine vorausschauende Personalberatung an. Kliniken, die frühzeitig auf ein wachsendes Berufsbild wie das des Physician Assistant reagieren, sichern sich einen Vorsprung im Wettbewerb um qualifizierten Nachwuchs. Eine erfahrene Personalvermittlung kann dabei unterstützen, die richtigen Kandidatinnen und Kandidaten zu identifizieren und passgenau in neu entstehende PA-Strukturen zu vermitteln.
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