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© Adobe Stock / Halfpoint
Eine Klinik im Münsterland schreibt eine Stelle für einen Oberarzt in der Inneren Medizin aus. Die Stellenanzeige ist professionell gestaltet und das Gehalt marktgerecht. Im Text stehen Worte wie „exzellente Weiterbildungsmöglichkeiten" oder „modernes Haus mit Entwicklungspotenzial". Was fehlt ist allerdings ein einziger Satz darüber, wie die Dienstplanung aussieht, wie das Haus mit Überstunden umgeht oder ob es Teilzeitmodelle für Ärzte in bestimmten Lebensphasen gibt.
Der Arzt, der diese Anzeige liest – 34 Jahre alt, Vater eines Kleinkindes, seit Jahren mit einer belastenden Dienststruktur – scrollt weiter, weil die Stellenanzeige nicht die Fragen beantwortet, die er sich stellt.
Kliniken kommunizieren im Recruiting fast ausschließlich über das, was sie als Arbeitgeber zu bieten haben: Fachabteilungen, Spezialisierungen, Karrierewege, Zertifizierungen, Ausstattung. Das ist verständlich, denn es ist das, worüber sie intern diskutieren und was sie in ihrer Selbstwahrnehmung ausmacht.
Doch was Ärzte heute tatsächlich beschäftigt, liegt auf einer anderen Ebene. Laut einer Umfrage von praktischArzt aus dem Jahr 2024, an der über 1.700 Ärzte und Medizinstudierende teilnahmen, nennen 84 Prozent ein gutes Arbeitsklima als wichtigsten Faktor im Berufsalltag und 80 Prozent eine transparente Kommunikation im Team. Die Work-Life-Balance beschreibt währenddessen knapp zwei Drittel der befragten Ärzte als unbefriedigend. Und das Ärzteblatt fasst auf Basis einer Rochus-Mummert-Umfrage zusammen, dass eine ausgeglichene Work-Life-Balance bei der Wahl des Arbeitgebers mittlerweile genauso schwer wiegt wie das fachliche Angebot bei Oberärzten an Universitätskliniken.
Der Nachwuchs sendet dieselbe Botschaft noch deutlicher. Unter Medizinstudierenden geben laut einer Auswertung des Deutschen Ärzteblatts rund 92 Prozent an, dass ihnen eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig oder sehr wichtig ist. Geregelte Arbeitszeiten stufen 83 Prozent als essenziell ein. Das Arbeiten im Krankenhaus verliert als Wunscharbeitgeber gegenüber früheren Generationen an Attraktivität. Als Hauptgründe werden zu hohe Arbeitsbelastung und zu geringe Freizeit genannt.
Es wäre ein Missverständnis, Kliniken hier Gleichgültigkeit zu unterstellen. Das Problem ist subtiler, da viele Häuser intern längst begonnen haben, über neue Dienstmodelle oder mentale Entlastung nachzudenken. Einige setzen es bereits um, aber in der Außenkommunikation – in Stellenanzeigen oder beim ersten Kontakt mit Bewerbern – fehlt genau das. Es wird über Fakten kommuniziert, nicht über Haltungen.
Auf der anderen Seite formulieren Ärzte ihre Prioritäten selten so präzise, wie es nötig wäre, um im Bewerbungsprozess wirklich gehört zu werden. Sie fragen nicht immer direkt nach dem Dienstplan oder nach dem Umgang mit Überstunden, weil sie fürchten, zu anspruchsvoll zu wirken oder Chancen zu verbauen, bevor ein echtes Gespräch zustande gekommen ist.
Das Ergebnis ist ein stilles Aneinandervorbeireden. Die Klinik sendet das eine, der Arzt sucht das andere, und beide landen trotzdem irgendwann in einem Gespräch, das an den falschen Erwartungen scheitert, oder gar nicht erst zustande kommt.
Für Kliniken ist das kein abstraktes Problem. Stellen bleiben länger unbesetzt, weil die Anzeigen schlicht nicht die richtigen Kandidaten ansprechen. Kandidaten bewerben sich, die nach dem ersten Gespräch wieder abspringen, weil dann Dinge ans Licht kommen, die vorher nicht kommuniziert worden waren. Umgekehrt bewerben sich Ärzte gar nicht erst, weil sie auf Basis unvollständiger Informationen annehmen, das Haus passe nicht zu ihnen, obwohl es vielleicht längst an denselben Stellen besser geworden ist, über die sie sich Sorgen machen.
Diese Missverständnisse kosten Bewerbungen und sie kosten Zeit, auf beiden Seiten.
Genau hier liegt der Wert einer externen Personalberatung, die beide Seiten wirklich kennt. Bei EMC Adam erleben wir in der täglichen Arbeit, wie groß der Abstand zwischen dem sein kann, was eine Klinik über sich erzählt, und dem, was sie tatsächlich bietet. Und wie unterschiedlich Ärzte ihre eigenen Prioritäten formulieren.
Wer vermittelt, muss zunächst verstehen: Was meint die Klinik wirklich mit „guter Work-Life-Balance"? Was sucht dieser Arzt in seiner aktuellen Lebensphase und was würde er akzeptieren, was nicht? Diese Fragen lassen sich nur im direkten Gespräch klären, nicht durch das Lesen von Stellenanzeigen.
Das Matching, das danach entsteht, ist dann ein informierter Abgleich auf beiden Seiten und kein Zufallstreffer.
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